"Ich hätte nie von Scotch auf Martinis umsteigen sollen ..." (Humphrey Bogart)

Montag, 22. August 2016

Zwischendurch: Markenscotch bei Aldi Nord


Aldi Nord nimmt ab sofort einen Markenscotch ins Sortiment. Black & White ist ein sehr traditionsreicher Blend, der heute das untere Preissegment bei Diageo bedient: er geht bis auf das Jahr 1879 zurück, damals als Buchanan's Blend, später als House of Commons. Die beiden bekannten Terrier als Logo gibt es seit 1890. Aldi verkauft ihn künftig für 9,99. Normalerweise werden bis zu ein oder zwei Euro mehr fällig.


Samstag, 20. August 2016

Bowmore Black Rock NAS (40% Vol.)

Um es gleich vorweg zu sagen: Bowmore ist nicht meine Lieblingsdestillerie auf Islay. Da kommen noch so etwa ... fünf vorher. Was nicht heißt, dass ich die Whiskys vom Loch Indaal ablehne oder so - das nun wirklich nicht. Aber wenn ich mir die Verkostungen der letzten Jahre mal so anschaue, dann habe ich eigentlich nur zwei von ihnen wirklich einigermaßen überschwänglich bewertet: einmal den Tempest aus der Limited Edition und einmal den Zwölfjährigen von der Ultimate Whisky Company. Plattfuss und ich sprachen anlässlich der heutigen Verkostung nochmal darüber und wir kamen zu dem Schluss, dass ein Großteil der Bowmores uns etwas zu nichtssagend daherkommt. Um das Wort "lasch" mal zu vermeiden. 

Gibt es was Neues bei Bowmore? Dass immer mehr Abfüllungen ohne Jahresangabe erscheinen, ist keine Nachricht mehr wert. Das ist die neue Whiskywelt, die sich vor ein paar Jahren noch erst zaghaft ankündigte. Ansonsten fast alles beim Alten. Suntory scheint den Laden gut im Griff zu haben. Der heute besprochene Black Rock stammt aus der Travel Exclusive-Reihe, die im zweiten Quartal 2014 ursprünglich als Travel Retail Range startete. Ziel war es, 
(to) celebrate the rich diversity of this unique and enchanting environment, whilst communicating the provenance, tradition and craftmanship of Bowmore
und natürlich auch, angesichts der gleichbleibend (bzw. steigenden) Whiskypreise den Flugreisenden, der auch im Travel Value nicht mehr auf satte Rabatte rechnen darf, zumindest einen gewissen Anreiz (den der "Exklusivität" nämlich) zu bieten, zur Literflasche Bowmore zu greifen. Für die Flasche habe ich übrigens am Flughafen Stansted vor zwei Wochen 38,99 GBP (44,- EUR) erlegt; online hätte ich ihn in Deutschland schon ab 39,99 bekommen. Der Black Rock kommt - wie fast alle seiner Kollegen aus der Kollektion - ohne Altersstatement. Er sollte eine deutliche Sherrynote haben und der Werbetext verspricht mir darüber hinaus a delicious balance of peat smoke, treacle toffee and orange.


Art und Herkunft: Single Malt, Schottland (Islay)

Besonderheiten: Reifung "hauptsächlich" in spanischen Sherryfässern

Aussehen und Aroma: Dunkler Bernstein mit einem orangefarbenen Schimmer. In der Nase süß (Grafschafter Goldsaft) und phenolisch, jedoch - wie eigentlich die meisten Bowmores - kein Torfmonster. Etwas bittere Orange. Sonst wenig Neues.

Geschmack: Ein etwas wässriges Mundgefühl, aber gleichzeitig ein scharfer Antritt. Relativ würzig, mit eher verhaltenem Torf und deutlichem Sherryfass. Vielleicht Anklänge von roten Früchten?

Abgang: Mittel bis lang und relativ erdig. Vom versprochenen Meersalz spüre ich nicht wirklich etwas.

Fazit/Tipp: Ein anständiger Single Malt, der sich nicht recht entscheiden kann, welche Richtung er einschlagen will. Keine Fehlinvestition, aber doch "zu sehr Bowmore", um mich vom Hocker zu reißen. Zumindest geruchlich tut ihm ein Schluck Wasser gut und gibt ihm etwas mehr Charakter: der Torf kommt - zusammen mit Noten von Fichten und Waldboden - mehr durch. Im Geschmack wird er dann trockener; viele neue Aromen erschließen sich doch nicht gerade. Deutlich pfeffriger im Abgang.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 27. August 2016.

- Euer Tomas Aquinas

Samstag, 13. August 2016

Rumlungern und rumtrinken, Teil V: Spirits of Old Man Rum Project Two NAS (40% Vol.)

Auf der Flasche steht Spirits of Old Man. Der Webseitentab lautet auf Oldman Spirits. Und die Firma heißt Old Man Spirits GmbH. Sie sitzt in Börm, ganz in der Nähe der deutschen Rum-Hauptstadt Flensburg. Und sie gehört einem Mann namens Thomas Altmann, womit dann auch die Namensgebung geklärt sein dürfte - dafür benötigt man nicht einmal Englisch bis zum Abitur. Die Information im Beipackzettel des Rumprobier-Fässchens ist deutlich dünner als bei den anderen Rums, aber das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass Old Man Spirits (OMS) eben keine altehrwürdige Destillerie irgendwo im karibischen Dschungel ist, über die man faszinierende Geschichten (hand- und mundgehämmerte Pot Stills, geheimnisvolle Revolutionäre als Gründer, sowas in der Richtung halt) erzählen kann, sondern eben ein Abfüller und Händler, der erst 2014 gegründet wurde.

Wie das ganze funktioniert, verrät uns die OMS in einem Pressetext, den ich mal ausführlich zitieren möchte:
In sorgfältiger Handarbeit und im kleinen Rahmen werden diese edlen Tropfen miteinander verblendet und anschließend mit einer manuell betriebenen Abfüllanlage in Flaschen gefüllt. Spirits of Old Man arbeitet gerne mit Unternehmen aus der örtlichen Umgebung zusammen und setzt auf eine Partnerschaft mit den Schleswiger Werkstätten. Das Blending, das Abstimmen und die Abfüllung von Hand finden vor Ort statt, während die Destillation und Lagerung auf den Karibikinseln abläuft. Old Man Spirits setzt für den Rum auf Liebe zum Detail, Expertise und Erfahrung. Diese drei Faktoren spielen zusammen, um ein sinnliches Trinkvergnügen zu kreieren, das lange angenehm im Gedächtnis bleibt.
Neben einer Single Cask-Reihe gibt es mittlerweile vier verschiedene Rum Projects, die sich aromatisch-thematisch voneinander unterscheiden sollen. Der heute vorgestellte Rum Project Two erscheint unter der Beschreibung Spiced Orange und verspricht dem Tester einen fruchtig-kräftigen Rum. In einer normalen Flasche kostet er etwa 45,- EUR und hat auch schon mehrere Preise gewinnen können. Da OMS auch für Drittanbieter unter deren Namen abfüllt, ist es durchaus möglich, dass man diesen Rum auch mit anderer Etikettierung findet. Laut Beschreibung sollte man ihn vor dem Genuss gute 15 Minuten ventilieren lassen, und das machen wir jetzt einfach mal ...



Art und Herkunft: Rum, Deutschland/Karibik

Besonderheiten: ein Blend verschiedener - nicht näher definierter - karibischer Rums

Aussehen und Aroma: Klassische "Bernsteinfarbe". In der Nase tatsächlich etwas orangenartiges, erinnert ganz schwach an Cointreau. Daneben auch würzig, mit einer Spur Vanille.

Geschmack: Sehr weich und deutlich mehr Orange, die eine bittere Note hineinbringt. Die Vanille ist auch noch einmal dabei. Ansonsten sehr spürbare Süße und andere, unklare Fruchtnoten. Eventuell Mirabellen? Später zieht er noch einmal kräftig an, wird spürbar scharf - aber nicht alkoholisch-scharf, sondern pfeffrig.

Abgang: Eher lang, sehr warm. Auf der Zunge bleiben ein paar schokoladige Noten am längsten hängen.

Fazit/Tipp: Nach dem Nosing hatte ich mich gar nicht so sehr darauf gefreut, aber die gute Nachricht ist, dass der Project Two geschmacklich erheblich interessanter ist, als der Geruch erwarten lässt. Ein doch recht schön komponierter Rum, der sowohl Feuer als auch Süße zu bieten hat.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 20. August 2016.

- Euer Tomas Aquinas