Sonntag, 7. Januar 2018

Spezielles aus den Niederlanden, Teil I

Die beiden Teile dieses Beitrags sind das Resultat eines "Redaktionsausflugs" in die Niederlande. Als wir im Beiaard in Enschede saßen, sprachen wir darüber, dass wir in diesem Jahr (damals war es noch das kommende Jahr) wohl nicht dazu kommen würden, ein Bierfestival in Belgien zu besuchen, und dass wir darum die Möglichkeit ins Auge fassen sollten, mal auf eines "in Holland" (wie man in Deutschland meistens - unkorrekt - sagt) zu fahren. Es ist ja nicht so, dass wir bis jetzt nicht schon einige Biere aus den Niederlanden - womit ich jetzt nicht Heineken oder Grolsch meine - getrunken hätten, aber so richtig kann man unser (zumindest mein) Wissen auf diesem Gebiet nicht nennen, vor allem nicht, wenn man es mit dem über z.B. belgische Biere vergleicht.

Naja, jedenfalls wir dann ab in den nächsten Mitra und kräftig eingekauft. Extra mal keine Pilsener, Lager oder Bockbiere (letztere gelten übrigens als der niederländische Bierstil par excellence), sondern ordentlich kräftige Vertreter ihrer Zunft. Verkostet haben wir sie dann in gemütlichem Rahmen über die Feiertage und präsentiert bekommt ihr sie, wie gesagt, in zwei Tranchen: nächste Woche die Stouts, diese Woche die "Sonstigen".

Vertreten sind heute nur zwei Brauereien: Bruut und SNAB. Von der Letzteren hatten wir vor einiger Zeit schon mal einen Eisbock im Test. Ihre Biere werden immer noch nicht in den Niederlanden, sondern in Belgien gebraut (bei De Proefbrouwerij). Bruut hingegen bezeichnet sich selbst als "Nanobrauerei" (also noch kleiner als eine "Mikrobrauerei") und sitzt und braut in Amsterdam; ab Mai dann wahrscheinlich in einem frisch renovierten ehemaligen Handelskontor am Hafen. Zurzeit haben sie insgesamt sieben verschiedene Biere im Angebot, alles mehr oder weniger traditionelle (und damit eben nicht mainstreamige) Stile.



Bruut Gajes MMXVI (8,0% Vol.)

Art und Herkunft: Tripel, Niederlande (Nordholland).

Besonderheiten: Mit Koriander. Gewinner der Goldmedaille bei der Dutch Beer Challenge 2016.
Aussehen und Aroma: Farblich wie alter Weizen oder Honig. In der Nase ziemlich fruchtig und leicht säuerlich. Mandarinen.

Geschmack: Spritzig. Leicht angegorenes Getreide. Bitterer als erwartet, mit dezenten Fruchtnoten.

Abgang: Mittellang und recht herb. Etwas schweflig.

Fazit/Tipp: Der süßlich faule ("schweflige") Unterton bzw. Abgang hat uns etwas gestört. Ansonsten anders im Geschmack, als man vom Geruch her erwartet.


Bruut Soelaas (7,0% Vol.)

Art und Herkunft: Siehe oben.

Besonderheiten: Mit Zucker.

Aussehen und Aroma: Goldblond, fast ohne Krone. Trüb. Fruchtige Nase, sehr bananig.

Geschmack: Spritzig und cremig am Gaumen. Wieder deutliche Banane und relativ süß.

Abgang: Kurz bis mittel. Mit der Zeit trockener.

Fazit/Tipp: Erinnert im Stil sehr stark an ähnliche Biere aus Belgien (Duvel!). Recht süffig.


SNAB Koning Honing (7,5% Vol.)

Art und Herkunft: Honigbier, Niederlande (Nordholland)/Belgien (Ostflandern)

Besonderheiten: Mit sizillianischem Orangenblüten- sowie kanadischem Kleehonig und Bourbonvanille.

Aussehen und Aroma: Hellbraun mit rötlichem Stich. Flüchtige Krone. Sehr dominantes Honigaroma. Malzig, aber eher wenige Röstaromen.

Geschmack: Angenehmer, sanft-süßlicher Antritt. Honig und Malz.

Abgang: Kurz und immer noch süßlich.

Fazit/Tipp: Sehr trinkbar und einschmeichelnd, aber natürlich (?) nichts für den ganzen Abend.

Gesamtfazit: Für mich lagen bei diesen drei Bieren das Soelaas und das Koning Honing vom Geschmack her gleichauf. Das Gajes wurde von allen Anwesenden etwas schwächer bewertet.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 14. Januar 2018.

- Euer Jan B.



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