Sonntag, 25. Februar 2018

Sind so kleine Biere, Teil LXIII: Rigters WIPA (5,3% Vol.)

Ich hab' mir überlegt, dass ich hier in loser Folge mal die Biere vorstelle, die wir in den letzten Wochen zusammen mit den niederländischen und sonstigen Spezialitäten verkostet haben, aber in keiner der Kategorien so richtig unterbringen konnten, z.B. weil der Bierstil nicht zu den anderen passte. Zumindest sind es alles Biere aus Mikrobrauereien und passen daher hervorragend in unsere Kategorie "kleine Biere".

Die Brauerei Rigters wurde laut Angaben auf ihrer Facebookseite (die eigentliche Webseite wird anscheinend gerade überarbeitet) im Jahr 2011 gegründet. Ganz konkrete Angaben sind leider etwas rar gesät, aber es ist eine noch recht kleine Firma, in der sehr vieles noch per Hand (und mit Hilfe von Freiwilligen - neulich suchten sie Leute, die beim Abfüllen helfen, weil jemand vom Team krank geworden war) gemacht wird ... was ja aber beim Craftbrauen auch ganz normal und erwünscht ist. Kapazität ist zurzeit etwa 1.000 Liter pro Brautag. Im Angebot sind im Moment acht verschiedene Sorten. Wir verkosten heute ein IPA-Weißbier-Hybrid namens White IPA.

Art und Herkunft: "Weißes IPA" (gehopftes Weißbier), Niederlande (Overijssel).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Sehr große Schaumkrone, ansonsten sieht es aus wie ein Pils. Süßlich bis fruchtige Nase. Banane?  Mango?

Geschmack: Ebenfalls ein süßlicher Antritt. Exotische Früchte: Papaya, Mango, Banane.

Abgang: Kurz und trocken.

Fazit/Tipp: Ein sehr außergewöhnlich schmeckendes, jedoch sehr bekömmliches Bierchen. Kann man den ganzen Abend über trinken. Etwas für den Sommer?

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 4. März 2018.

- Euer Jan B.




Sonntag, 18. Februar 2018

Borell-Diehl Williams Christ Brand (42% Vol.)

Kürzlich hatte ich das Glück, etwas Zeit mit Tomas und seiner allerliebsten Frau verbringen zu dürfen. Wir hatten uns zu einem Tagesausflug nach Lingen, im wunderschöne Emsland, verabredet.
Dort angekommen stärkten wir uns mit leckerem Kibbeling auf dem Wochenmarkt; wirklich lecker und ganz frisch vor unseren Augen zubereitet - klasse!
In Lingens Alten Posthalterei nahmen wir noch ein paar uns, mehr oder weniger, unbekannte Biere zu uns. Also, ein ganz normaler Samstagvormittag für BlogBlongDring-Autoren. Beim Schlürfen des zweiten, oder dritten Bieres fiel mir ein, dass ich von einem Wein- und Spirituosenhandel in Lingen gelesen hatte. Schnell Google bemüht und rasch gefunden: Willenbrock. Ein Weinhandel mit drei Filialen (Lingen/Nordhorn/Rheine). Das umfangreiche Sortiment wird mit einer kleinen, aber feinen Auswahl an Spirituosen abgerundet. So fand ich dort auch die Williams Christ Birne aus dem Hause Borell-Diehl. Das sehr familiär geführte Weingut aus Rheinland-Pfalz (Hainfeld) wurde letztes Jahr für seine hervorragenden Weine von Gault & Millau empfohlen. Da ich aber mit Wein schon seit gut zwanzig Jahre durch bin, hab ich mich für zwei Brände entschieden. Das Portfolio gibt noch einiges mehr an Bränden her. Den hier besprochenen Birnen-Brand und für eine Flasche Grappa vom Chardonnay, den ich eventuell später noch bespreche.



Art und Herkunft: Obstbrand, Rheinland-Pflaz

Besonderheiten: 15kg Obst per 0,5l-Flasche.

Aussehen und Aroma: Klar. Sehr fruchtig, fast blumig. Etwa so, wie eine frisch aufgerissene Weingummi-Tüte

Geschmack: Süß und scharf. Der Mundraum füllt sich mit trockener Birne und reichlich Alkokohol.

Abgang: Trocken, sprittig, süß.

Fazit/Tipp: Ein ehrlicher Birnen-Brand der mir zwar mundet, aber dennoch etwas lieblicher sein könnte. Auch etwas mehr "Tiefe" würde ihm gut tun. Einfach mehr Birnenaroma.... etwas erdiger....

Für 12€/0,5l kein Schnäppchen, aber auch nicht überteuert. Die Kernkompetenz des Erzeugers liegt hier wohl eher bei Weinen aller Rebsorten aus Deutschland.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 25. Februar 2018.

- Euer Plattfuss

Sonntag, 11. Februar 2018

Bock auf Bo(c)kbier, Teil II

So: weiter geht es mit den Bockbieren. Nachdem die in der letzten Woche mich eher weniger begeistert haben, hoffe ich für dieses Mal auf "bessere Zeiten".

Zuerst ein paar Worte über den Außenseiter im Test, den Wildebok aus der Scheldebrouwerij. Kein Niederländer, sondern ein Belgier. Über die Brauerei in der Nähe von Antwerpen hatten wir vor ein paar Jahren schon mal etwas im Blog. So ein bisschen passt sie aber doch in diesen Beitrag, denn sie wurde 1995 in Bergen op Zoom, im niederländischen Nordbrabant, gegründet, ist dann aber später nach Belgien umgezogen. Die Firma selbst nennt ihre Produkte "niederländische Biere in belgischer Verpackung". Das heute vorgestellte Bockbier gehört zu den festen Bestandteilen im Portfolio.

Dann haben wir noch die - etwas gewöhnungsbedürftig benannte - Bird Brewery aus Amsterdam. Gegründet (wie so viele neue Brauprojekte) von zwei Biernerds, Ralph van Bemmel und Rik van den Berg. Die schön gestalteten Etiketten zeigen stets eine andere Vogelart und die Namen der Biere bestehen immer aus dem Namen eben dieser bewussten Vogelart und einem Wortspiel mit deren Namen. Sehr intellektuell - muss man gut finden. Das heutige Bier ist ein "Saisonbier", das heißt, es findet sich nicht im ständigen Sortiment. Der Kauw im Namen ist übrigens die Dohle, wie man auch unschwer am Bild vornedrauf erkennt. Als Devise haben Rik und Ralph ausgegeben, "normale Biere mit dem besonderen Etwas" zu entwickeln.

Last but not least die Brouwerij Kees, die im schönen Middelburg sitzt. Ein genialer Schachzug, eine niederländische Brauerei "Kees" zu nennen, sollte man meinen. Tatsächlich aber heißt der Inhaber ganz einfach so, genauer gesagt Kees Bubberman. Bubberman startete seine Karriere als Haus- und Hobbybrauer, machte sein Hobby dann irgendwann zum Beruf und begann als Braumeister bei Emelisse. Nach ein paar Jahren wollte er dann doch etwas Eigenes haben und - presto! Kees hat ziemlich viele Biere im Angebot, auch die gerade so hippen Fassnachreifungen, und auch bei ihm gehört das Bockbier "nur" zu den jahreszeitlichen Angeboten.

Sonntag, 4. Februar 2018

Bock auf Bo(c)kbier, Teil I

Ich bin eigentlich derjenige in unserem Bloggerkollektiv, der nicht über Bockbier schreiben sollte, weil es sich dabei um einen Bierstil handelt, den ich gar nicht so besonders gerne mag. Viele Bockbiere sind mir persönlich zu süßlich und zu malzig, wo ich es doch eigentlich eher herb und hopfig mag. Aber okay, es geht ja nicht immer nur um persönliche Vorlieben; ich tue also mein Bestes. Beim Verkosten war ich ja auch gottlob nicht alleine: Plattfuss hatte zum ersten Mal seit einiger Zeit in seine Wohnung eingeladen, wo er uns die Bierchen eines nach dem anderen servierte.

Die meisten der heute und nächste vorgestellten Biere hatte er beim letzten Besuch in Enschede gekauft. Dementsprechend sind es (mit einer Ausnahme) auch echt niederländische Produkte. Für diejenigen, die es noch nicht wussten: die Niederlande sind Bockbierland. Tja, bis vor kurzem war mir das auch noch nicht so wirklich klar, aber man hat mir glaubhaft versichert, dass dieser Bierstil derjenige ist, der unseren westlichen Nachbarn am meisten am Herzen liegt und den sie als den ihren betrachten. Was natürlich nicht bedeutet, dass Bockbiere unbedingt den höchsten Marktanteil hätten - da seien Grolsch, Heineken und Amstel vor. Die in Deutschland beliebten hellen Frühlingsböcke (vulgo "Maibock") haben sich in den Niederlanden noch nicht durchgesetzt, dafür hat man seine ganz eigenen Akzente auf dem Gebiet der dunklen Böcke und Doppelböcke gesetzt, unter anderem durch das Verwenden anderer als der traditionellen Rohstoffe, z.B. Weizen.

Der Übersichtlichkeit halber teile ich die Besprechung mal wieder in zwei Teile: diese Woche drei Bierchen und nächste Woche drei Bierchen, ganz demokratisch.

Da haben wir zunächst für heute mal zwei Biere aus dem Hause Bronckhorster. Die Firma wurde 2010 gegründet und war das Ergebnis einer Liebesgeschichte: niederländisches Mädchen trifft englischen Jungen; englischer Junge macht sich in der Heimat seiner Freundin (später seiner Frau) als Maler selbstständig und verdient gutes Geld. Irgendwann beschließt er eine Ausbildung zum Brauer anzufangen. Als er damit fertig ist, eröffnen er und seine Frau die Brauerei. Diese hieß am Anfang übrigens noch Rodenburg; nach gut drei Jahren auf dem Markt wurde umfirmiert. Neben den Standards im Sortiment wird ab und zu auch noch experimentiert, unter anderem mit dem gerade hippen Barrel Aging.

Außerdem in dieser Woche noch dabei: Der Herbstbock von Dampegheest. Kapazität heute etwa 800 Hektoliter pro Jahr. "Richtig" in Betrieb auch seit Beginn der 2000er, vorher lange Jahre ein reines Haus- und Hobbybrauprojekt. Ach ja, wie gut ich das Gefühl kenne ...