Sonntag, 11. Februar 2018

Bock auf Bo(c)kbier, Teil II

So: weiter geht es mit den Bockbieren. Nachdem die in der letzten Woche mich eher weniger begeistert haben, hoffe ich für dieses Mal auf "bessere Zeiten".

Zuerst ein paar Worte über den Außenseiter im Test, den Wildebok aus der Scheldebrouwerij. Kein Niederländer, sondern ein Belgier. Über die Brauerei in der Nähe von Antwerpen hatten wir vor ein paar Jahren schon mal etwas im Blog. So ein bisschen passt sie aber doch in diesen Beitrag, denn sie wurde 1995 in Bergen op Zoom, im niederländischen Nordbrabant, gegründet, ist dann aber später nach Belgien umgezogen. Die Firma selbst nennt ihre Produkte "niederländische Biere in belgischer Verpackung". Das heute vorgestellte Bockbier gehört zu den festen Bestandteilen im Portfolio.

Dann haben wir noch die - etwas gewöhnungsbedürftig benannte - Bird Brewery aus Amsterdam. Gegründet (wie so viele neue Brauprojekte) von zwei Biernerds, Ralph van Bemmel und Rik van den Berg. Die schön gestalteten Etiketten zeigen stets eine andere Vogelart und die Namen der Biere bestehen immer aus dem Namen eben dieser bewussten Vogelart und einem Wortspiel mit deren Namen. Sehr intellektuell - muss man gut finden. Das heutige Bier ist ein "Saisonbier", das heißt, es findet sich nicht im ständigen Sortiment. Der Kauw im Namen ist übrigens die Dohle, wie man auch unschwer am Bild vornedrauf erkennt. Als Devise haben Rik und Ralph ausgegeben, "normale Biere mit dem besonderen Etwas" zu entwickeln.

Last but not least die Brouwerij Kees, die im schönen Middelburg sitzt. Ein genialer Schachzug, eine niederländische Brauerei "Kees" zu nennen, sollte man meinen. Tatsächlich aber heißt der Inhaber ganz einfach so, genauer gesagt Kees Bubberman. Bubberman startete seine Karriere als Haus- und Hobbybrauer, machte sein Hobby dann irgendwann zum Beruf und begann als Braumeister bei Emelisse. Nach ein paar Jahren wollte er dann doch etwas Eigenes haben und - presto! Kees hat ziemlich viele Biere im Angebot, auch die gerade so hippen Fassnachreifungen, und auch bei ihm gehört das Bockbier "nur" zu den jahreszeitlichen Angeboten.


Scheldebrouwerij Wildebok (6,5% Vol.)

Art und Herkunft: Bockbier, Belgien (Antwerpen).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkelbraun mit kleiner, aber fester Krone. Eher geruchsneutral. Malz und Eisen.

Geschmack: Malzig und etwas schweflig. Ganz leicht salzig auf der Zungespitze. Später säuerlichere Noten.

Abgang: Mittel, immer noch etwas säuerlich.

Fazit/Tipp: Ein ganz harmloses Bockbier, dass sich wegen der frischeren Noten ganz gut wegzischen lässt. Keine bösen Überraschungen, aber auch keine Höhepunkte.


Bird Brewery Lekkerinde Kauw Herfstbock (7,8% Vol.)

Art und Herkunft: Bockbier, Niederlande (Nordholland).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Sehr dunkel, mit kleiner und fester Krone. Deutliche Malze. Sonst nichts.

Geschmack: Nur leicht süß. Kräftige Röstaromen. Etwas dunkler Fruchtkuchen? Recht wenig Kohlensäure und insgesamt eher bitter als bockig.

Abgang: Relativ lang. Noch bitterer werdend.

Fazit/Tipp: Kommt mir gerade recht, weil es ein eher "untypisches" Bockbier ist. Wenn es doch nur spritziger wäre!


Kees Indian Summer Doppelbock (8,5% Vol.)

Art und Herkunft: Doppelbock, Niederlande (Seeland).

Besonderheiten: -

Aussehen und Aroma: Dunkelbraun, mit kleiner, aber sehr stabiler Krone. Dunkle und malzige Nase. Schwarzbrot aus dem Toaster.

Geschmack: Sehr speckiger Antritt mit merkbarem Rauch. Leicht salzig. Wurstwasser.

Abgang: Mittellang und süßlich bis salzig.

Fazit/Tipp: Schmeckt fast wie eines dieser fränkischen Rauchbiere. Kann man mal trinken, ist aber wirklich nicht mein Stil. 

Gesamtfazit: Diese Charge war deutlich besser als die in der letzten Woche, jedenfalls was mich betrifft. Wer es sehr ausdrucksstark mag, ist mit dem Indian Summer sehr gut bedient. Wer es - wie ich - gar nicht so leiden kann, wenn es malzig wird, kann getrost zum Wildebok greifen - trotz des "wilden" Namens.

Der nächste planmäßige Beitrag erscheint am 18. Februar 2018.

- Euer Jan B.



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